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Yayoi Kusama: Eine Retrospektive

A Bouquet of Love I Saw in the Universe


Große Yayoi Kusama-Retrospektive eröffnet im April mit ihrer bisher komplexesten immersiven Ausstellung im Gropius Bau - 23. April bis 15. August 2021

„Yayoi Kusamas künstlerische Position zeichnet sich durch revolutionäre Interventionen aus, die sowohl von dem Wunsch einer vollkommenen Vereinigung von Körper und Kunstwerk als auch einer Neudefinition der Rolle der Frau in der Kunst getragen werden.“ – Stephanie Rosenthal, Direktorin, Gropius Bau Im Gropius Bau wird ab dem 23. April 2021 Yayoi Kusama: Eine Retrospektive, die bisher komplexeste immersive Übersichtsschau über das wegweisende Werk der japanischen Künstlerin Yayoi Kusama (geb. 1929) zu sehen sein. Die raumgreifende Arbeit A Bouquet of Love I Saw in the Universe (2021) wurde von Yayoi Kusama eigens für den historischen Lichthof des Gropius Bau entworfen, der für die Dauer der Ausstellung in einem Meer aus großformatigen, wogenden Tentakeln versinken wird. Yayoi Kusamas erste institutionelle Retrospektive in Deutschland erstreckt sich über etwa 3000 m² und zeigt fast 300 Werke aus den letzten 80 Jahren. Die Ausstellung mit dem Untertitel A Bouquet of Love I Saw in the Universe umfasst Gouachen auf Papier, akkumulative Skulpturen, Happenings und Modearbeiten sowie jüngste Gemälde und einen neuen Infinity Mirror Room, der neben einer Rekonstruktion ihres ersten, 1965 in New York präsentierten Infinity Mirror Room gezeigt wird. Die Ausstellung beinhaltet neben umfangreichem Archivmaterial acht weitere Ausstellungsrekonstruktionen aus den Jahren 1952 bis 1983. Der Schwerpunkt liegt auf Kusamas bisher wenig erforschter Aktivität in Europa und hebt den performativen Charakter ihres Werkes hervor. Innovative Selbstinszenierungs- und Partizipationsstrategien innerhalb ihrer Arbeiten können als Vorläufer heutiger Tendenzen der sozialen Medien gelesen werden. Das Bestreben der Künstlerin, die Rolle der Frau in der Kunst neu zu definieren, liegt im Zentrum ihrer vielfältigen Tätigkeiten. „Ich freue mich sehr, dass meine Retrospektive im wunderbaren Gropius Bau stattfinden wird. Dies ist eine Ausstellung, an die ich mich für den Rest meines Lebens erinnern werde. Ich danke Ihnen von ganzem Herzen, mit Liebe und Hoffnung.“ – Yayoi Kusama, 2021 Yayoi Kusama: Eine Retrospektive wird von Stephanie Rosenthal, Direktorin des Gropius Bau, in enger Zusammenarbeit mit der Künstlerin und ihrem Studio in Tokio kuratiert.

So wurden ihre Arbeiten bereits 1960 neben Künstlern wie Lucio Fontana, Otto Piene und Yves Klein in der bedeutendenKusamas persönlichem Archiv, das Stephanie Rosenthal und ihr Ausstellungsteam persönlich besucht haben. * Yayoi Kusama hatte sich seit Beginn ihrer künstlerischen Laufbahn stets intensiv mit kuratorischer Inszenierung auseinandergesetzt und wegweisende Präsentationsformen entwickelt, die im Rahmen der chronologisch angelegten Ausstellung zugänglich gemacht werden. Die Retrospektive beginnt mit Ausstellungen, die in ihrer Heimatstadt Matsumoto gezeigt wurden, Yayoi Kusama Solo Exhibition und Yayoi Kusama Recent Works (1952), in denen sich bereits Anfänge der Gestaltung von immersiven Raumsituationen wiederfanden. Darauf folgt mit Aggregation: One Thousand Boats Show das erste Environment, das Kusama 1963 in New York präsentierte und das ihre bis heute anhaltende Auseinandersetzung mit (Selbst-)Auflösung und Unendlichkeit vorwegnahm. Zentrales Element dieser Ausstellung war ein mit weißen Stoffphalli übersätes Ruderboot, das auch in der mehrteiligen Driving Image Show (1964) zu sehen war – dort allerdings mit weiteren akkumulativen Skulpturen (Accumulations) gruppiert, die jeden Winkel der Galerie zu überwuchern schienen und den Raum vollständig einnahmen. In der 1965 in New York gezeigten Floor Show – Phalli’s Field werden rot-weiß gepunktete Stoffphalli mit weiteren Accumulations in einem etwa 25 m² großen, vollständig verspiegelten Raum arrangiert – Kusamas erstem Infinity Mirror Room, in dem sie in einem roten Ganzkörperanzug posierte. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wird ihre künstlerische Persona und Präsenz zu einem integralen Bestandteil jeder Ausstellung und Performance; darüber hinaus enthält die in New York erstmals präsentierte Arbeit sämtliche Schlüsselelemente ihres Œuvres: Stoffphalli, Punkte und Spiegel, die einen immersiven Erfahrungsraum bilden. Im zweiten Teil der Driving Image Show, die 1966 in Essen gezeigt wurde, waren neben den bereits bekannten weißen Accumulations, vergoldete Objekte zu sehen. Die Künstlerin hatte längere Zeit auf diese Ausstellung hingearbeitet und damit ihre künstlerische Präsenz in Europa begründet. Im selben Jahr setzte sie auch ihre Ausstellungstätigkeit in New York fort und präsentierte mit Kusama’s Peep Show or Endless Love Show ihren zweiten Infinity Mirror Room. Der hexagonale Raum, den die Betrachter*innen lediglich durch zwei Gucklöcher betrachten konnten, kam ohne Objekte aus und evozierte nur durch in variierenden Konstellationen blinkende Lichter Kusamas Prinzip der obsessiven Unendlichkeit. Die letzte Rekonstruktion im Gropius Bau bietet darüber hinaus Einblicke in Kusamas spätere Ausstellung Encounter of Souls, die 1983 in einem alternativen Veranstaltungsraum in Tokyo zu sehen war und bereits zu diesem frühen Zeitpunkt zentrale Werkgruppen und Schaffensperioden zusammenbrachte. Die Ausstellungsrekonstruktionen werden im Gropius Bau durch eine Zeitleiste erweitert, an der sich auch Yayoi Kusamas bisher kaum beachtete Orientierung in Richtung Deutschland und Europa ablesen.

Dies legte den Grundstein für ihre zunehmende Rezeption in Europa, wo sie ihre Werke in den Folgejahren unter anderem in Amsterdam, Bern, Den Haag, Essen, Mailand, Rotterdam, Stockholm, Turin und Venedig präsentierte. Mittels intensiver Recherche eröffnet die Retrospektive im Gropius Bau so eine neue Perspektive auf die Ausstellungsgeschichte der Künstlerin und für die deutsche Kunstgeschichtsschreibung. Ergänzt wird diese Chronologie durch dokumentarisches Foto- und Filmmaterial, das die performative Dimension von Yayoi Kusamas Arbeiten aufzeigt und eine umfassende Kontextualisierung ihres Schaffens ermöglicht. Dabei wird auch der revolutionäre Charakter von Kusamas Fusion aus Mode, Kunst sowie Performance und Happening deutlich, dessen künstlerische Ausdrucksmittel in den sozialpolitischen Bewegungen der 1960er und 1970er Jahre verwurzelt sind. Eine besondere Rolle kommt der kontinuierlichen Selbstinszenierung Yayoi Kusamas in ihren Arbeiten zu, durch die sie die Grenzen zwischen Subjekt und Objekt, Innen und Außen, Körper und Umgebung verwischte – und so auch eine Zeit reflektierte, in der Leben und Kunst zu verschwimmen begannen. Ihren eigenen Körper setzte die Künstlerin in ihrem Werk als einen Platzhalter ein, der für die Körper der Betrachtenden stand und sich als Antizipation der Selfiekultur – des Strebens danach, selbst im Bild zu sein – lesen lässt. Kusamas Wunsch nach Verschmelzung mit ihren Arbeiten fiel dabei immer auch mit der Auflösung des Selbst, dem Aufgehen in der Unendlichkeit zusammen, die bis heute ihr Schaffen prägen.


* Yayoi Kusamas Werk war in zahlreichen internationalen Ausstellungen vertreten, ihre Arbeiten wurden u. a. im Boston Institute of Contemporary Art (2020); Matsumoto City Museum, Nagano (2019); Fosun Foundation, Shanghai (2019); MUSEUM MACAN, Jakarta (2018), Queensland Art Gallery | Gallery of Modern Art, Brisbane (2017– 2018); National Gallery Singapore (2017) Museum and Sculpture Garden, Washington D.C. (2017); Louisiana Museum of Modern Art, Humlebaek (2015); Fundacion Malba, Buenos Aires (2013); Whitney Museum of American Art, New York (2011–2012) und im Tate Modern, London (2011) gezeigt. 2017 wurde das Yayoi Kusama Museum in Tokio eröffnet. Die Retrospektive des Gropius Bau wird anschließend im Tel Aviv Museum of Art (Israel) zu sehen sein. Yayoi Kusama: Eine Retrospektive wird von Stephanie Rosenthal, Direktorin des Gropius Bau, in enger Zusammenarbeit mit der Künstlerin und ihrem Studio in Tokio kuratiert. Die Ausstellung schöpft aus Yayoi Kusamas persönlichem Archiv, das Stephanie Rosenthal und ihr Ausstellungsteam persönlich besucht haben.


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